Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet "APAG Senknorm"?

Die Bezeichnung APAG Senknorm findet sich auf Kanu-Steueranlagen, die in der DDR für Faltboote hergestellt wurden. Die standardisierten Steueranlagen können am Heck nahezu aller gängigen Faltboottypen aus ostdeutscher Produktion angebracht werden. Bedeutung der Bezeichnung:

  • APAG: Steht für den VEB Aluminium-Präzisions-Amaturen-Guß (APAG), Friesenstraße 1-3 in Potsdam-Babelsberg. Von diesem wurden neben vielen anderen  Konsumgütern aus Aluminium auch Steueranlagen für Kanus hergestellt. Die DDR-APAG scheint die "vervolkseignete" Fortführung der 1923 gegründeten Aluminium-Präzisionsguß-AG (APAG) aus Potsdam-Babelsberg zu sein, die bereits in den 1930er Jahren Steuerungsanlagen für Kanus produzierte.
  • Senknorm: In den 1930er Jahren Bezeichnung für die kleinste Steueranlage von APAG für Faltboote. In der DDR nannte der VEB APAG alle Senksteueranlagen für Faltboote so, auch die mit größeren Blättern.

Mit der deutschen Vereinigung 1990 endet die Geschichte des VEB APAG, als Rechtsnachfolger(?) wurde 1991 offenbar die APAG Aluminium-Präzisions-Armaturen-Guß GmbH in Potsdam gegründet. Laut Handelsregistereintrag wurde die Gesellschaft 2008 gelöscht.

Wurde der DELPHIN 85 nur an verdiente Parteifunktionäre ausgeliefert?

Nein, jedenfalls nicht grundsätzlich. Der begehrte Reisezweier Delphin 85 wurde ganz offiziell im Handel angeboten, doch wurde von dem Boot insgesamt nur eine kleine Stückzahl hergestellt. Das lag zum Teil an seiner hochwertigen Ausstattung. Doch entscheidender dürfte gewesen sein, dass die Produktion bereits 1963 wieder eingestellt wurde. Hohe Produktionsvolumen wurden im Faltbootbau aber erst in den Folgejahren erreicht.

Und bei aller Liebe zum Delphin 85: Schlechter war die zur gleichen Zeit hergestellte Version des RZ 85 von Pouch nicht.

War der KOLIBRI so klein, damit er in den Trabant-Kofferraum passt?

Nein. Der erste Trabant (1957) wurde zwei Jahre nach dem ersten Kolibri (1955) vorgestellt, hier kann also kein Zusammenhang bestehen. Zudem dürfte der Kofferraum des Trabants auch etwas zu klein für die Langteile des Kolibri gewesen sein.

Ursächlich für die geringen Abmessungen des Kolibri war aller Wahrscheinlichkeit nach die Tatsache, dass die MTW-Firmenleitung ihrer Faltbootabteilung einen zu aufwändigen Fertigungsprozess bei den Delphin-Modellen vorgehalten hatte. Der Kolibri sollte den durchschnittlichen Materialverbrauch pro Boot reduzieren helfen.

Wurde der KOLIBRI auch bei Pouch in Bitterfeld hergestellt?

Grundsätzlich — ja, aber meistens — nein. Ende der 1950er Jahre produzierte Pouch kurzzeitig den Kolibri. Doch von den damals hergestellten Exemplaren des Kolobri I existieren heute nur noch wenige. Meistens kommt die Frage auf, weil ein Kolibri III ohne Herstellerangabe (durchaus üblich!) mit einer gekennzeichneten Segelanlage von Pouch ausgestattet ist. Da drängt sich schnell der Eindruck auf, dass Boot und Segelanlage aus Pouch stammen. Die Nachfolgemodelle des Kolibri I wurden dort aber nie gefertigt!

Welche QUALITÄTSSTANDARDS galten für die MTW-Faltboote?

Das ist aus zwei Gründen nicht ganz einfach zu beantworten: Einmal sind dazu nur wenig Informationen verfügbar. Und außerdem äußern sich nicht zuletzt Personen, die an Qualitätssicherungsprozessen beteiligt waren, mitunter recht kritisch über deren Sinnhaftigkeit. An den Faltbooten selbst finden sich allerdings manchmal Markierungen, die qualitative Standards dokumentieren sollen: 

  • Technische Normen, Gütevorschriften und Lieferbedingungen (TGL): Die TGL stellen das DDR-Gegenstück zu den (west-)deutschen DIN-Normen dar. An Booten von 1983 bis 1990 wird auf den Typenschildern die TGL 28179 genannt. Leider verfüge ich über keine weitergehenden Informationen zu dieser TGL.
    TGL bei Wikipedia ]
  • Gütezeichen: Die Gütezeichen der DDR basieren auf der TGL 3933. An Booten der 1950er Jahre finden sich Aufkleber mit einem "S" oder "1" in einem abgerundeten Dreieck. Dies steht für die um 1950 eingeführten Gütezeichen "Sonderklasse" (sehr gute Qualität) und "Güteklasse 1" (gute Qualität auf Weltmarkt-Niveau). Am unteren Rand des Aufklebers steht ein numerischer Zusatz, die Betriebsnummer des VEB MTW. Mehr zu den Betriebsnummern findet sich in der Seite Zahlen & Daten.
    [ Gütezeichen der DDR bei Wikipedia

Woher kommen die SEGEL für die MTW-Faltboote?

Bezüglich der kleineren Segel für Kajaks ist die Antwort mangels Kennzeichnung in der Regel schwer zu beantworten. Der Poucher Faltbootbau dürfte eine häufige Quelle sein. Segel für die Delphin-Jollen sind dagegen zumeist mit einem Segelmacher-Zeichen versehen, welches wie ein auf dem Kopf stehendes "Y" aussieht und wohl die Wismarer Marienkirche darstellen soll. Hersteller war das in Wismar ansässige Werk des VEB Plakotex.

Aus welchem Material ist das UNTERSCHIFF meines Faltboots?

MTW fertigte das Unterschiff wie in den 1950ern üblich zunächst aus Gummi. Anfang der 1960er Jahre stieg man auf PVC um, wobei übergangsweise beide Materialien parallel verarbeitet wurden. Die PVC-Haut wurde in den ersten Jahren auch als Igelit bezeichnet, ein in den 1930er Jahren von der I.G. Farben entwickelter Weich-PVC. Später verschwand dieser Name, wahrscheinlich auch, weil sich die Zusammensetzung des verwendeten PVC änderte.

Ob das Unterschiff nun aus Gummi oder PVC besteht, lässt sich relativ einfach feststellen: Da nur vor 1965 gebaute Boote über eine Gummihaut verfügen und Gummi als Naturstoff Alterungsprozessen unterworfen ist, sollte die Oberfläche von Gummi-Unterschiffe unübersehbare Alterungsspuren aufweisen. Es geht nicht um Risse, Löcher oder Verfärbungen, auch unbeschädigte Oberfläche sollte erkennbar gealtert wirken.

Die PVC-Haut späterer Schiffe dagegen sollte in unbeschädigten Bereichen noch weitgehend neu wirken. Mein Delphin 85 von 1962 besitzt ein fast neuwertig anmutendes PVC-Unterschiff.

Sollte die optische Begutachtung keine eindeutige Entscheidung ermöglichen, ist auch das folgende, mehr auf die Nase abzielende Verfahren denkbar:

Was bedeuten die ZAHLEN in den Namen der Faltboote?

Diese geben die größte Breite des Rumpfs in cm an. So hatte der Delphin 85 eine für Reisezweier typische Breite, ebenso wie der RZ 85 von Pouch. Die mit jedem neuen Modell größer werdenden Versionsnummern der viersitzigen Delphine (110, Pirat 130, 140, 150) belegt, dass die Boote immer geräumiger ausfielen.

Breitestes Modell von MTW ist der seltene Falt-Katamaran Scalare 250, der zudem auch weltweit das größte jemals industriell hergestellte Faltboot sein dürfte.

Ausgenommen aus diesem System blieben der Kolibri und das Faltruderboot. Während Letzteres ganz ohne Zahlenzusatz auskam, wurde beim Kolibri die Versionsnr. angehängt (I bis IV, Tramp). Der Kolibri begann mit schmalen 76 cm, erst der 1989/90 kurzeitig erscheinende Tramp brachte es auf über 80 cm.